Wo ist Dirk???, eine unglaubliche Vermisstengeschichte, geschehen in der DDR

Heidi Stein/Dirks Mom
Heidi Stein/Dirks Mom

Heidi Stein

Initiative für OPFER von Zwangsadoptionen und

Kindesraub der ehemaligen DDR

ESCHENKAMP 5a

38550 Isenbüttel

kaiheidi1@gmx.de

05374/671563


 

Meine Vita

 

Heidi Stein geb. Mickan

geb.: am 04.11.1951 in Görlitz

10 Klassen Oberschule

Beruf: Weber und Näher in

Weiterbildung: Erzieherin

verheiratet

5 Kinder, davon 2 verstorben (Schwere Krankheit, Unfall)

2 Mädchen (42, 35)

1 Junge (39) Dirk Schiller wird seit 35 Jahren vermisst in der ehemaligen DDR

 

Am 08.12.1982 wurde ich mit meinem damaligen Ehemann, vor dem Kindergarten meiner

Tochter Claudia, verhaftet. Wir wurden beide in getrennten Autos in die Stasi U-Haft

Dresden, Bautzener- Straße verbracht.

Dies war für mich ein Schock und die Frage "warum komm ich in ein Gefängnis?

Menschenunwürdig wurde ich, nachdem ich durch ein Gänge Labyrinth geschleust von 4

uniformierten Staats-Dienerinnen, empfangen. Diese befahlen mir meine Kleidung aus zu ziehen,

in einer sehr verletzenden Art. Als ich mit Hemd und Höschen verloren vor dieser allmächtigen

Staatsgewalt stand, befahl man mir nunmehr in einem anderen Ton, mich ganz zu entkleiden.

Dann ging es sehr überraschend und schnell, ich wurde von einer Beamtin mit roher Gewalt

nach vorn gebeugt und es wurden alle Öffnungen untersucht, in Menschenverachtend

unwürdiger Art. Alle persönlichen Dinge wurden notiert und mir abgenommen. Ich bekam eine

Waschschüssel mit einigen Utensilien und wurde in eine Zelle verbracht.

Gefängnisse kannte ich bis dahin noch nicht.

Hier bekam ich dann große Panik, meine Gedanken bei meinen Kindern (was hat man mit ihnen

gemacht und was wird aus ihnen). Nun vielleicht klärt sich alles und Morgen bin ich wieder zu

Hause, dies war dann meine Überlegung, aber es war anders ich kam nicht nach Hause.

Ich saß auf der Pritsche und in meinem Kopf war alles durcheinander, da hörte ich ein Klopfen

an den Wänden welches sich zum Abend verstärkte. (später bekam ich dann mit, dass die

Häftlinge sich so verständigten). Diese Nacht konnte ich in Gedanken bei meinen Kindern, nicht

schlafen, zumal das Licht bestimmt alle 10 Minuten an und ausging.

Am nächsten Tag wurde ich von einem Häscher aus der Zelle in den so genannten Frei Hof

geführt, als ich nach oben schaute, sah ich das der Hof (eine mit Betonwänden und oben mit

Stacheldraht aus gestattete Bucht) mit Häschern in Uniform und diese mit Gewehr, mich

bewachten. In diesem Moment hatte ich Todesangst. Auch beim ersten Duschen, musste ich an

die Häftlinge in den KZ's des Nazireiches denken, die da vergaßt wurden. Ein Gedanke der mich

bis heute verfolgt und den ich als Todesangst bezeichne und der Gedanke daran mich noch

heute verfolgt.

Die von der Stasi geführten Vernehmungen liefen wie Psychofolter ab. Immer wieder wurden

meine Kinder und meine Mutter (wo meine Kinder waren), als Druckmittel benutzt. Mein

damaliger Mann war auch da und auch er wurde als Druckmittel benutzt. Und wir wurden

gegeneinander ausgespielt. Wobei man die schlimme Situation nicht als Spiel bezeichnen kann.

Immer und immer wieder hat mich das Ganze an die Nazizeit erinnert. Hier hat die Stasi,

Sippenhaft betrieben. Mich hat das total belastet und die Angst das man mir meine Kinder

wegnimmt, war groß.

In den Vernehmungen wurden mir Briefe meiner Mutter und meiner Tochter Silvia immer und

immer wieder vorenthalten und nur zensiert, zum lesen gegeben(wenn ich irgendwelche

Aussagen machte).

Die Briefe durften auch nicht mit in die Zelle genommen werden.( in der Zelle der U-Haft

hatten

man keine Schreibutensilien oder Briefe seine Familie, das bekam man bei den Vernehmern

aber nur, wenn man "brav" war).

Psychofolter war das was man mit mir machte. Die Angst um meine Kinder wurde vom

Vernehmer benutzt. Schließlich wurde dann an meiner Anklage gearbeitet.

Es wurde mir zur Last gelegt, dass ich mit meiner Cousine (sie lebte im Westen), Kontakt zu

Institutionen einer feindlichen Macht aufgenommen habe. Da hätte ich falsche Informationen

über meinen vermissten Sohn Dirk SCHILLER und über mein Ausreiseanliegen gegeben.

 

Verurteilt wurde ich nach §99 und 100 zu 4,1/2 Jahren Haft.

 

Das war ein Schock und ich dachte nur an meine Kinder, schnell rechnete ich mir aus wie lange

ich sie nicht sehen könnte und es beschlich mich eine unsagbare Angst. Ich wollte doch nur

meinen Sohn in einem demokratischen Land (BRD)suchen, nicht mehr.

Nach einem halben Jahr in Stasi U-HAFT

(ein Ort wo seelische Folter an der Tagesordnung

war) wurde ich mit einem kleinen Gefangenen Bus in die U-Haft Dresden Schießgasse

verbracht. Dann nach 4 Tagen eines neuerlichen quälenden Transports( Bus und Reichsbahn)

wurde ich nach Bautzen II, zur Haftverbüßung gebracht.

In Bautzen II mussten ich und andere Frauen für die DDR Firma

Oppach arbeiten. Es wurde kleine Teile für Leiterplatten zusammen geschraubt, eine mühselige Arbeit (Zwangsarbeit), bei der man sich die Finger blutig gearbeitet hat.

In einem abgeschlossenen Raum in dem ca.20 Frauen von früh bis spät, zusammen waren (

auf engstem Raum von früh bis spät, essen trinken und arbeiten) und dann wieder in die Zellen

schlafen.

Nach einem Jahr der seelischen Folter und Zwangsarbeit in Bautzen II wurde ich in Gefangenen Bus und Bahn nach Karl-Marx-Stadt in die U-Haft, gebracht mit der Maßgabe in den Westen verkauft zu werden.

In der U-Haft Karl-Marx-Stadt kam der MenschenhändlerRechtsanwalt Vogel und unterbreitete mir, dass ich nach Görlitz zurück entlassen werde, wenn ich im Ausreise Antrag meinen in der DDR vermissten Sohn DIRK SCHILLER, nicht lösche.

Ich schrieb einen neuen AUSREISEANTRAG für meine Kinder Silvia, Claudia und mich. 

Somit habe ich dem Menschenhandel zugestimmt und wurde nach ca. 3 Wochen U-Haft

Karl-Marx-Stadt in den Bus in die " Freiheit", entlassen.

Im Westen wurde ich von meinem Onkel und Familie liebevoll aufgenommen.

Meine Töchter durften nach einem Monat zu uns übersiedeln, von da an suchte ich meine

vermissten SOHN DIRK SCHILLER weiter, bis heute.

 

 

 

 

Ich wurde nicht geschlagen oder misshandelt, aber die psychische Folter, Todesangst und

die große Sorge um meine KINDER hat mich kaputt gemacht

 

Heute bin ich 60% Haftgeschädigt und Frührentnerin.

Auch hier in der Bundesrepublik, werde ich von ehemaligen Stasileuten zersetzt. Ich bekomme

Morddrohungen und werde öffentlich als Mörderin beschimpft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt

und hat da auch schon Stasileute vernommen. Deswegen müssen wir, uns für unsere

verbrieften Rechte einsetzen und der geplante "Runde Tisch" sollte uns dazu Gelegenheit geben.

Diese meine Geschichte wurde in einem Buch " Wo ist Dirk, Her Honecker" 1988 im Eigenverlag von meiner Freundin und mir verlegt. Das Buch wurde als Vorlage, für den Fernsehfilm 

" Ich klage an", genommen. Der Film wurde seit 1993 mehrmals von SAT1 ausgestrahlt. 

Für diesen Film wurde mir stellvertretend von Edmund Stoiber, der Deutsche Fernsehfilmpreis 1994 übergeben.

Das war eine große Ehrung für mich.

Mit Hilfe der Medien und der Gifhorner Polizei (die nach 35 Jahren neu ermittelt im Vermisstenfall meines Sohns) versuche ich weiterhin meinen Sohn zu finden. www.dirkvermisst.blog.de

Seit einigen Jahren setze ich mich für die Opfer des SED und Stasiregimes und vermisste und zwangsadoptierte Kinder der ehemaligen DDR ein, 35 Jahre Erfahrung mit BEHÖRDEN und Ämtern kann ich somit weiter geben und mit meiner Erfahrung anderen helfen.

Ich bin Gründungsmitglied des Niedersächsischen Netzwerks für SED und STASIOPFER (hier

werden wie am Runden Tisch Themen der Aufarbeitung erarbeitet und Verbesserungen dazu an

die Politik weiter gegeben)

Ich bin auch Zeitzeuge im Zuchthaus Bautzen II und

Zeitzeuge der Stiftung Aufarbeitung sowie

Mitglied des Bautzen Komitee e.V.

Jedes Jahr am 25.05. begehe ich mit einigen Freunden, den "Tag der vermissten Kinder",

insbesondere die geraubten und vermissten Kinder der ehemaligen DDR. Wir klären auf, um 12

Uhr lassen wir dann Luftballons mit Infos über die Kinder, steigen.

Dies soll ein kleine Ausschnitt meiner Lebensgeschichte sein und darstellen wie es auch vielen

Menschen in der DDR erging, wenn sie in der ehemaligen DDR um Ihre freiheitlich und

verbriefte Menschenrechte eintraten.

Viele mussten in den KZ's der ehemaligen DDR verweilen und wurden zu hohen Strafen

verurteilt und für viel Geld verkauft und abgeschoben.

Heute noch sind viele Stasileute in Ämtern, wo sie uns Verfolgten schaden können und das auch

tun.

Die Zersetzung geht weiter und nicht alle Opfer der SED und Stasi sind in der Lage sich zu

wehren.

Gesetze müssen zu Gunsten der OPFER eingehalten und geändert werden.

Der geplante "Runde Tisch" muss auch einzelnen Opfern die Möglichkeit geben, persönlich über

die schlimmen Erlebnisse in den Zuchthäusern und der damit zusammenhängenden Zersetzung

der Opfer- Familien, sprechen zu können.

 

Die Opferverbände und Netzwerke, vertreten die Opfer im Allgemeinen und haben andere

Aufgaben.

 

Wir die Vertreter der SED und STASIOPFER, sind die Stimme für viele andere Opfer.

 

Heidi Stein

Geschichte über Dirk Schiller und Familie

Phantombild Dirk Schiller
Phantombild Dirk Schiller

Der Fall Dirk Schiller// Heidi Stein(Mutter von Dirk)

Ein Kind verschwindet spurlos unter mysteriösen Umständen

Der Fall Dirk Schiller

Die Spuren des kleinen Dirk enden vor fast einunddreißig Jahren auf einem verschneiten Feld. Am Morgen des 10.3.79 luden die Eltern auf dem Parkplatz einer Tropfsteinhöhle Heimkehle/Rottleberode/Ostharz (damals DDR-Gebiet) noch schnell die raren Gurken um, die sie in einem Laden ergattert hatten, während ihre beiden Kinder auf dem angrenzenden Feld an einem zugefrorenen Bach spielten.

Aber dann kam die sechsjährige Tochter allein zurück. Auf die erschrockene Frage der Eltern, wo ihr dreieinhalbjähriger Bruder Dirk sei, drehte sich das Mädchen erstaunt um und sagte: „Er war gerade noch hinter mir…“

Es war der vorletzte Tag des Familienurlaubs in einem Ferienheim, den die DDR-Behörden den Schillers für den Februar genehmigt und dann um einen Monat verschoben hatten – angeblich weil das Ferienheim im Januar geschlossen sei. Es war auch der einzige Augenblick in den zwei Urlaubswochen, in dem die Mutter ihren kleinen Sohn für zehn Minuten aus den Augen gelassen hatte, denn sie hatte schon zwei Kinder durch Krankheit verloren und war daher überängstlich, noch ein Kind zu verlieren. Auch hatte der kleine Dirk zwei offene Fontanellen (runde weiche Stellen am hinteren Oberkopf, an denen die Schädeldecke nicht zugewachsen ist). Diese beiden Öffnungen müssen heute noch ertastbar sein, der Befund lautet: Schädelknochendefekt am Hinterhaupt von 2 x 2 Fingerkuppen (Kalottendefekt am Übergang parieto-occipital)

Der kleine Junge, der Angst vor Brücken hatte, muss damals den anderen Weg zum Parkplatz über die Landstraße genommen haben. Die Eltern, die das ganze verschneite Feld absuchten, konnten keine Fußspuren feststellen, die zum Bach oder zum weiter entfernten Fluss geführt hätten. Auch war die Eisdecke des flachen Bachbetts, an dem die Kinder mit Stöcken in den Schnee gemalt hatten, ungebrochen.

Dirk war nicht ertrunken. Er war spurlos verschwunden.

Die gerufene Feuerwehr und Polizei machte sich die Mühe, die Spuren im Schnee zu suchen.
Durch den starken Schneesturm war dies aber nicht möglich. Stattdessen tauchte aus mysteriösen Gründen ein Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit auf und unterhielt sich mit den Kriminalbeamten, die auch kurz darauf die Suche beendeten. Was der Mann dort wollte, blieb bis auf den heutigen Tag ungeklärt, da es sich ja bei dem Verschwinden des Kindes aufgrund eines Unfalls oder einer Straftat um keine Angelegenheit handelte, in der die Staatssicherheitsbehörde ermitteln würde, was in der Bundesrepublik ungefähr mit dem Auftauchen eines BND-Mitarbeiters innerhalb von zwei Stunden nach Meldung eines vermissten Kindes vergleichbar wäre…

Auf dem Heimweg vom Urlaubsort nach Görlitz fiel der Mutter der fremde PKW wieder ein, den sie auf dem verlassenen Parkplatz der noch geschlossenen Tropfsteinhöhle (Heimkehle)wahrgenommen hatte. Nur wenige Minuten nach ihnen war ein dunkelblauer Wagen (Kennzeichen SF für Leipzig) auf dem Parkplatz eingebogen. Die beiden Insassen – ein Mann und eine Frau, Anfang bis Mitte Dreißig, in grauen Mänteln – waren ausgestiegen und zum Eingang der Höhle gegangen, die erst um zehn Uhr aufmachte. Dann waren sie wieder zum Wagen zurückgegangen, weggefahren und nicht wiedergekommen.

Diese beiden Fremden mussten auf ihrem Rückweg an dem kleinen blonden Jungen auf der Fahrstraße von der dem Höhlenparkplatz über die Flussbrücke, vorbeigefahren sein.

Zurück am Heimatort erstattete die verzweifelte Mutter mit Ihrem Mann noch einmal eine Vermisstenanzeige. Doch von der ermittelnden Kripo bekam sie nie mehr einen Bescheid. Auf ihre Beschwerden und Anfragen hin wurde ihr nur lapidar geschrieben, man sähe keinen Grund zu neuerlichen Ermittlungen. Der schwangeren Frau wurde wenige Monate nach Dirks Verschwinden von einem Kripobeamten nur geraten, sie solle Dirk für tot erklären lassen. Dazu bemerkte er: „Ach, Sie kriegen doch wieder ein neues Kind!“

Einige Monate später – im Sommer 1979 – wurde beiden Eltern von ihren jeweiligen Betrieben gleichzeitig mitgeteilt, dass sie am nächsten Tag zu Hause bleiben sollten, denn „morgen kommt einer aus Berlin, der euch über Dirk aufklären wird“. Tatsächlich hielt an dem Tag ein gelbes Fahrzeug (Wartburg) vor ihrem Haus. Auch dieser Fremde identifizierte sich durch seinen Ausweis als Mitarbeiter des Innenministeriums. Er legte die Akte Dirk auf den Tisch, blätterte kurz darin und sagte, die Polizei hätte „alles richtig gemacht“. Auf die Frage der Mutter hin erklärte er, die beiden Fremden, die zu dem Zeitpunkt, an dem Dirk verschwunden war, auf dem Parkplatz gesehen worden waren, seien ermittelt worden. „Aber die wollen nicht mit Ihnen sprechen. Sie haben selber drei Kinder, haben es also nicht nötig, ein Kind zu entführen. Außerdem sind sie nach Moskau geflogen.“

Seine seltsamen Bemerkungen ließen die Eltern stutzig werden. Warum sprach der Stasi-Mann plötzlich von „entführen“? Das Wort hatten sie selbst noch nie den Behörden gegenüber geäußert… Und warum wollten die einzigen Zeugen, die doch angeblich selbst Eltern von drei Kindern waren, mit den verzweifelten Eltern des kleinen Dirk nicht sprechen? Konnten echte Eltern wirklich so herzlos und ohne jedes Mitgefühl sein? Und was war der Grund für ihren Flug nach Moskau?

Die Fragen häuften sich, doch die Behörden der DDR gaben keine Antworten. Dafür fand die Mutter später heraus, dass die Angaben über das Verschwinden ihres Sohns in seiner Akte gefälscht worden waren. Angeblich war er erst 1983 in Ungarn verschollen – und nun plötzlich in Ungarn statt in der DDR, eben alles ganz harmlos und anders... Auch stellte sie später verwundert fest (nach Einsicht in die Ermittlungsakte aus Sangerhausen), dass die Ermittler erst Wochen später Fotos von dem verschneiten Feld gemacht hatten, auf dem Dirk im März 1979 verschwunden war. Nur ist es auf den Ermittlungsfotos nicht mehr verschneit, und der Bach ist nicht mehr zugefroren… Das interessanteste Detail, das die Mutter erst viel später erfuhr, war die Tatsache, dass ein eifriger DDR-Verwaltungsangestellter 1988 – zufällig kurz nach Erscheinen des Buchs Wo ist Dirk, Herr Honecker? in der BRD, das das mysteriöse Verschwinden ihres Sohns behandelt und zufällig auch noch schnell vor dem Mauerfall – die Löschung ihres Sohns aus den Meldedaten beantragte. Damit wäre Dirks Person für immer gelöscht worden – so als hätte er nie existiert und wäre demnach auch nie spurlos verschwunden. Überraschend ist dies vor allem deshalb, weil eine solche Personenlöschung auch in der DDR sonst nie versucht wurde.

Außer im Fall Dirk.

Zum verzweifelten schriftlichen Hilferuf der Mutter an Herrn Honecker fand sie später nur den lapidaren Aktenvermerk, ihre „Anfrage sei arrogant“. Als sie anfing, sich Hilfe suchend an das Deutsche Rote Kreuz, Amnesty International und andere Hilfsorgane im Westen zu wenden, griffen die DDR-Behörden recht schnell zu Maßnahmen gegen die unbequeme Mutter. Eines Tages fuhren zwei Wagen vor dem Kindergarten vor, an dem sie ihre Jüngste wegbrachte. Ihr Mann saß in einem der Autos. Er war schon verhaftet worden. Sie wurde mitgenommen. Man wolle sich nur mit ihr unterhalten, nein, von Haft sei keine Rede…

Die Mutter kam in Untersuchungshaft, ohne ihre Kinder noch einmal sehen zu dürfen. Der Vorwurf gegen sie lautete „die Sendung von Nachrichten, die der Geheimhaltung nicht unterliegen“ und dass sie „Kontakt mit dem westlichen Ausland aufgenommen hatte“. Für diese merkwürdigen Ausgeburten deutsch-demokratischer Strafgesetzparagraphen erhielt sie 4 ½ Jahre Haft im Gefängnis Bautzen II. Die wahren Gründe für ihre Inhaftierung waren wohl eher die unbequemen Fragen und Hilferufe einer Mutter, die ihr Kind suchte und der die vielen Ungereimtheiten auffielen, die das Verschwinden ihres Sohns nach sich zog.

Nach anderthalb Jahren Haft konnte sie 1984 von der BRD freigekauft werden. Bei ihrer Ausreise aus der DDR versuchte man noch schnell, sie dazu zu bringen, keinen Ausreiseantrag für ihren vermissten Sohn Dirk zu stellen. Warum? Wohl weil die Bundesrepublik fragen würde was mit dem Kind Dirk Schiller sei und wo er ist. Das hätte sicher peinliche Fragen aufgeworfen, die man anscheinend vermeiden wollte. Auch legte man ihr nahe, die Sache Dirk im Westen auf sich beruhen zu lassen, wenn sie ihre Kinder wieder sehen wollte. Die Kinder waren noch bei den Großeltern und in der DDR. Also ließ die Mutter die Sache Dirk auf sich ruhen – zwei Monate lang, bis ihre Kinder in den Westen nachgeschickt wurden.

Danach ging ihre Suche weiter. Doch die Akte Dirk wanderte die ganzen Jahre über nur über von einer Behörde zur anderen – was genauso ungewöhnlich und unerklärlich ist wie der ganze Fall Dirk.

Ein paar weitere ungewöhnliche Zufälle sind sicher auch die Schicksale der Staatsanwälte in der DDR, die die Akte Dirk anforderten und die heute nicht mehr leben. Eine Staatsanwältin, die ca. Mitte Vierzig war, als sie sich mit dem Fall befasste, verstarb überraschend. Ein Staatsanwalt in rüstigem Alter verstarb sechs Wochen, nachdem er die Akte Dirk angefordert hatte. Ein anderer Staatsanwalt starb nur wenige Wochen nach seiner Aktenanforderung. Und der Staatsanwalt, der sich zu DDR-Zeiten für die Aufklärung des Falls Dirk vorbildlich eingesetzt hatte, hat seine Einstellung gleich nach der Wende gewendet. Seitdem äußerte er sich öffentlich über die Eltern des vermissten Jungen so, dass sie wohl ein psychisches Problem hätten, weil sie ihr Kind immer noch suchen… Obwohl dieser Staatsanwalt noch am Leben und in seinem Beruf (im Westen) tätig ist, hielt er es nicht für nötig, einer Einladung der Opferverbände zu folgen, bei dem es um den Mord an einem DDR-Fußballer und andere Stasi-Skandale ging.

Dafür starb noch einer an einem mysteriösen Tod. Das war der Kollege von Dirks Vater, der sich nach dem Verschwinden des Kinds rührend um die Eltern kümmerte und sie tatkräftig mit Tipps und Hilfeleistungen unterstützte. In ihrer Stasi-Akte findet sich zur Überraschung der Mutter just dieser Kollege wieder – er war ein Stasi-Spitzel, der die Familie Schiller nach dem Verschwinden ihres Sohnes überwachte und ausspionierte, um sie später durch seine Aussage in Haft zu bringen.

Dieser Freund und Helfer wurde nach der Grenzöffnung tot in seinem Sessel aufgefunden. Die Todesursache bleibt ungeklärt.

Die vielleicht einzig logische Erklärung für das spurlose Verschwinden des kleinen Jungen, dessen Leiche nie gefunden wurde und der laut einem BRD-Ermittler nicht ertrunken sein kann, und vor allem die einzig logische Erklärung für die mysteriösen Umstände könnten die beiden offenen Fontanellen (runde weiche Stellen am hinteren Oberkopf, an denen die Schädeldecke nicht zugewachsen ist). Diese beiden Öffnungen müssen heute noch ertastbar sein, der Befund lautet: Schädelknochendefekt am Hinterhaupt von 2 x 2 Fingerkuppen (Kalottendefekt am Übergang parieto-occipital)
Kinder, die mit Fontanellen (Euromünzen-großen Weichstellen in der hinteren Schädeldecke, die nicht mehr zuwachsen) geboren werden, sind extrem selten – und ein Säugling, bei dem der Kinderarzt diese seltene Laune der Natur feststellt, wäre auch in der ehrgeizigen DDR-Forschung, die mit der des Westens unbedingt mithalten wollte, ein hochinteressantes Forschungsobjekt gewesen.

Dirks Mutter sucht noch heute nach ihrem Sohn und nach der Klärung dieses mysteriösen Falls.

In der Hoffnung, dass Sie helfen könnten die deutsche Staatsanwaltschaft zu einer Wiederaufnahme des Falles Dirk Schiller zu bewegen und vor allem, dass man nicht nach Altaktenlage entscheidet, sondern auch meinen Worten mal Gehör schenkt. Die alten Akten waren manipuliert und nicht vollständig und auch nicht mit den Informationen über die Insassen des Fahrzeuges belegt.

Heidi Stein (Mutter von Dirk)

Hinweise von einem Leser des Kölner Express, bekam ich, dass Dirk bei Frau Margot Honecker leben soll. Als Roberto Yanez/Honecker soll er in Chile leben.
Hierzu gibt es einige Hinweise, da er auch eine Ähnlichkeit mit meiner Familie hat. Seine Tochter sieht meiner Tochter Silvia total ähnlich und Roberto sieht seinem Vater ( meinem Exmann) sehr ähnlich.
Es gibt keine Bilder von Roberto für die Zeit wo er geboren wurde bis er ca. 4 Jahre war.
Eine DNA hat er mir gegenüber abgelehnt, leider. Somit könnte man dies Kapitel klären und den Honeckers nachweisen, dass es in der DDR Kindesraub gab.
Ich selbst arbeite an der Aufklärung ähnlicher Fälle, wo z.B. Kinder geraubt wurden in Krankenhäusern für Tod erklärt und andere Verbrechen dieser Art.
Viele Mütter hoffen auf eine Aufklärung mit Dirk und werden durch meine Suche angespornt auch ihre Fälle dar zu stellen.
Leider haben viele Moms mit mir Kontakt, haben aber Angst die Fälle zu veröffentlichen, weil in Ihrer Umgebung noch ehemalige Stasis , leben. Es ist soviel unmenschliches mit Kindern in der DDR gemacht worden und diese Mütter finden wie ich nie Ruhe.



Danke
Heidi Stein



Roberto Yanez/Honecker
Roberto Yanez/Honecker